Unser Konzept

Im Orientierungsplan für Kindergärten in Baden-Württemberg werden 6 verschiedene Bildungs- und Entwicklungsfelder definiert, die eine Orientierung zur Konzeptionsentwicklung bieten, nachdem sich die Kindergärten ausrichten sollten. Ein pädagogisches Konzept ist ein Handlungskonzept, nachdem das Erzieherteam seine pädagogische Arbeit ausrichtet und auch stetig weiterentwickelt.

Für unser Schwalbennest haben wir uns für drei Schwerpunkte entschieden, die unserem Konzept einen Rahmen geben sollen. Der erste Schwerpunkt ist die Naturpädagogik, der zweite Schwerpunkt die Religionspädagogik und der dritte Schwerpunkt der Lebenspraktische Ansatz. Um einen Eindruck über diese Ausrichtung zu bekommen, möchten wir Euch die einzelnen Bereiche vorstellen.

1. Schwerpunkt : NATURPÄDAGOGIK

In der Natur erleben wir die Schöpfung in einzigartiger Weise. Unsere Nähe zur Tier- und Pflanzenwelt und unser bewusster Umgang damit erinnern uns genauso an die Ursprünglichkeit des menschlichen Lebens wie ihre Abläufe und Gesetzmäßigkeiten.

Die Launen der Natur und ihre Unberechenbarkeit, die Elemente wie Wind, Feuer, Erde und Wasser, ihre schiere Gewalt, aber auch ihre unbeschreibliche Schönheit und Ästhetik fördern etwas im Menschen zutage, welches wir als Menschen uns unbedingt erhalten sollten: Staunen, Ehrfurcht, Demut. 

Gemeinsam mit den Kindern wollen wir darüber staunen, welches Wunderwerk z.B. aus einem kleinen Samenkorn wachsen kann oder wie es ist, wenn im Frühling die scheinbar abgestorbene Natur wieder zum Leben erwacht, duftet und regelrecht explodiert. Sommer und Herbst mit ihrer Fülle und Vielfalt an Formen, Farben und Gerüchen, aber auch an Früchten beschenken uns mit Eindrücken, die bewusst wahrgenommen sein wollen. Viele dieser Vorgänge geschehen ohne unser Zutun. Im Winter ist jede Schneeflocke für sich ein Kunstwerk und der Frost eine Voraussetzung für das Neuerwachen des Frühlings.

Wiese, Büsche und Bäume, geheime Gänge, wilde Wurzeln und Gräben laden die Kinder zum kreativen Spiel ein. Die Kinder haben Lust am Klettern und Springen, Balancieren und Hangeln, Buddeln und Graben, Spielen und Bauen, Sich-Verstecken, Experimentieren, Beobachten und Staunen. Und auch ein geheimnisvoller Knochen, ein abgestürztes Vogelnest oder verendetes Tier birgt unschätzbare Chancen, die Natürlichkeit des Lebens zu würdigen.

Kurzum: Ein begleitetes Erfahren des Lebensraumes Wald und Natur bereitet Kindern optimale Voraussetzungen für eine gesunde körperliche, geistige und emotionale Entwicklung – und erzieht zu Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein.

2. Schwerpunkt: RELIGIONSPÄDAGOGIK

Unsere Arbeit ruht auf unserer Überzeugung, dass Himmel, Erde und alles Leben aus einer grundsätzlich guten Schöpfung Gottes hervorgehen. Indem wir unserer pädagogischen Arbeit das christlich-biblische Menschenbild zugrunde legen, respektieren und ehren wir diese Schöpfung.

Dabei erachten wir jeden einzelnen Menschen als wertvolles, einzigartiges Geschöpf, und zwar unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit, sozialer Prägung oder Lebenskonzept. 

Dies möchten wir den Kindern auf natürliche und fröhliche Weise nahebringen, immer kindgerecht und angemessen. Wir prägen ein Verständnis von Verantwortung gegenüber der Natur, dem Mitmenschen und Gott. Im Umgang miteinander betonen wir christliche Werte wie Respekt, Wertschätzung, Rücksichtnahme, Freundlichkeit und Dankbarkeit, aber auch Kreativität und Lebensfreude.

In aller Freiheit und Gelassenheit sollen die uns anvertrauten Kinder die Option des christlichen Glaubens kennenlernen. So gestalten wir den Kindergartenalltag durch immer wiederkehrende Elemente, z.B. das Nacherzählen biblischer Geschichten, das Singen christlicher Kinderlieder, das Begehen der christlichen Feste im Kirchenjahr, ein Segensgebet zum Geburtstag oder Dankgebet vor den Mahlzeiten. 
Mit verschiedenen Methoden erarbeiten wir mit den Kindern verschiedenste Geschichten und Themen, z.B.
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  • mit dem Kamishibai (Erzähltheater)
  • durch gemeinsames Rollenspiel, bei dem jedes Kind in eine Rolle schlüpft
  • mit Playmobilfiguren
  • mit Egli-Figuren
  • mit Legematerial aus verschiedenen Naturmaterialien, Symbolen oder anderen Gegenständen
  • mit Schleich-Tieren uvm.

3. Schwerpunkt: LEBENSPRAKTISCHER ANSATZ

Verlorenes Paradies


Ich wollte ja mal nützlich sein, da war ich noch ganz klein.

Ich räumte Töpfe aus dem Schrank und Schuhe auf die Bank.

Ich ordnete und wischte ab, schob Besen durch das Zimmer.

Bald war ich Kindergartenkind, doch nützlich war ich nimmer.



Das Gefühl und das Erleben, gebraucht zu werden, bedeutsam zu sein, etwas zu können und etwas bewirken zu können, ist für jeden Menschen von unschätzbarem und ursprünglichem Wert. Gerade für Kinder liegt darin ein Schlüssel für ein gelingendes Leben.

Beim lebenspraktischen Ansatz geht es darum, Kinder zu befähigen, die Aufgaben bewältigen zu können, die sich aus dem Zusammenleben und den Bedürfnissen der Gruppe ergeben. Der Ansatz steht für Partizipation wie es im Orientierungsplan vorgesehen ist, Kinder miteinzubeziehen, Mitgestalter zu sein.
Zum Beispiel gemeinsam für die Gruppe ein zweites Vesper vorzubereiten, gemeinsam ein Hochbeet zu bepflanzen, das Gepflanzte zu ernten, um es dann gemeinsam Essen zu können. Tiere versorgen und Verantwortung übernehmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Die Terrasse und den Bauwagen sauber zu machen, zu fegen, zu putzen. Das heißt, dass Aufgaben bewusst nicht „ausgelagert“ werden, da die Kinder gerade durch das Teilhaben an diesen Aufgaben wertvolle Erfahrungen und Lernsituationen erleben. Hier wird ihr Mithelfen und Mitarbeiten auch dann sinnvoll und wichtig für das Zusammenleben erlebt, wenn es spielerisch umgesetzt wird. So können wir gemeinsam ein Spaßlied erfinden beim Fegen der Terrasse oder wir unterhalten uns mit den Kindern beim Putzen der Bauwagenfenster und nehmen Teil an ihrer Gedankenwelt.

Wir sind überzeugt, dass das Leben an sich Gabe und Aufgabe zugleich ist. Beides geht Hand in Hand. Das lustige freie Toben, Spielen und Genießen ebenso wie das verantwortliche Handeln und Arbeiten für- und miteinander. Deshalb ist es uns wichtig, mit den Kindern

  • Die Hochbeete zu bepflanzen und zu ernten
  • Wasser holen zum Gießen und Hände waschen
  • Den Umgang mit Werkzeugen zu erlernen
  • Tiere zu versorgen – Futter zu bringen, mit Wasser versorgen
  • den Tisch zu decken und gemeinsam etwas zum zweiten Vesper zuzubereiten
  • Die Merkmale der Jahreszeiten kennenlernen (z.B. Fingerspiel zum Frühling)
  • unser Gelände zu gestalten (z.B. ein Weidentipi bauen o. ä.)
  • Feuerholz zu sammeln und Feuermachen erlernen
  • Den Umgang mit einem Fernglas lernen
  • Sich selber versorgen
  • Aufgaben zu erledigen, Altersentsprechend z.B. die „Großen“ werden angeleitet und übernehmen dann ihre
  • Aufgaben selbständig und bringen den „Mittleren“ wiederum bei, wie sie es machen. Die „Kleinen“ werden mit hineingenommen und sind als Nachahmer mit dabei und lernen durch das Zuschauen.

Auf diese Weise werden die Kinder zu Teilhabern an der Lebenswirklichkeit. Sie üben alltagstaugliche Fertigkeiten ein und übernehmen Mitverantwortung für unser Zusammenleben im Schwalbennest. Wir trauen den Kindern Arbeiten zu, lassen sie angeleitet sägen, hämmern, graben, hacken usw., und ermöglichen ihnen so das Gefühl der Zugehörigkeit, Leistungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit. Im Idealfall wächst so ihr Selbstwertgefühl, ihre Identität innerhalb der Gruppe und ihre Identifikation mit unserer Gruppe.

Lerne uns kennen!

Tag der offenen Tür im Schwalbennest